Fehler 4: Displays ohne Funktion

Die Displays werden mit +/- 100 Volt betrieben. Nun war mir auch nicht ganz klar, weshalb ein PIA-Baustein und ein PROM defekt war, und so habe ich vorsichtshalber die Spannungen der Kabel kontolliert, die vom Displayboard zum Mainboard führen.

 

Da fehlt doch was?

Mehrere Fehler auf einem Mainboard waren eigentlich schon ärgerlich, aber was ich jetzt sah, war nahezu unglaublich:

Alle Treiber-ICs des Displayboards waren fein säuberlich ausgelötet worden!

Aber nicht sauber genug, denn überall gab es Lötzinnspritzer, und durch Kurzschlüsse auf dem Board ist vermutlich auch einmal die Hochspannung auf das Mainboard geleitet worden! Dies hat die PIA zerstört und vermutlich auch das PROM "umprogrammiert".

 

Sabotage

Bei den ausgelöteten ICs handelt es sich um Bauteile, die nicht mehr erhältlich sind .

 

Aufgeben?

Eigentlich wäre hier die Reparatur zu Ende gewesen - denn wer weiß, was noch alles durch die Hochspannung zerstört wurde ?

 

Not macht erfinderisch

Vor mir lagen die neuen Gummis und Kugeln, und nach der aufwendigen Mainboard-Reparatur wollte ich noch nicht aufgeben. Nach passenden Vergleichstypen habe ich vergeblich gesucht. Allerdings gab es in meinem Schaltplan glücklicher Weise eine Seite für ein Board, auf dem die Ansteuerung der Hochspannung mit einzelnen Transistoren realisiert wurde. OK....

 

Warum ist mir das eigentlich nicht schon vorher aufgefallen?

Ganz einfach, die Boards sind immer sehr universell ausgelegt, und häufig befinden sich auch auf funktionierenden Boards nicht bestückte ICs - so auch auf dem Displayboard, wie das Foto oben zeigt.

Und auf die Idee, beim Kauf die ICs zu zählen, bin ich nun wirklich nicht gekommen. Mein Fokus lag nur auf dem nicht startenden Mainboard. Aber aus Schaden wird man ja bekanntlich klug...

 

 

ICs werden verzweifelt gesucht

In Foren habe ich immer wieder Leute gefunden, die verzweifelt nach diesen ICs suchen. Diese wechselten teilweise zu Höchstpreisen von bis zu 50 Euro den Besitzer.

Wie man gleich sieht ist es nicht allzu aufwendig, diese ICs mit Transistoren zu ersetzen - also eine echte Alternative. Die Bauteile für alle(!) ICs kosten rund 10 Euro - das ist durchaus akzeptabel für einen Versuch.

Ein gebrauchtes und funktionsfähiges Displayboard liegt preislich höher und war auch zur Zeit nirgendwo erhältlich, deshalb habe ich mich entschlossen, die Endstufen nachzubauen.

 

Nachbau Teil 1

Jede Stufe der Displaytreiber besteht im Wesentlichen aus 2 Transistoren und ein paar Widerständen.

  

Die Widerstände habe ich weitgehend als Arrays bestückt, das spart Platz und Zeit.

Wenn man nicht, wie im Originalschaltplan angegeben, die Displays ohne Vorwiederstände betreibt, reicht die Leistung von 0,2 W auch aus. 

 

 

Mit etwas Geschick beim Bestücken ist die Verdrahtung von unten auch schnell erledigt: 

 

 

Kabelsalat

Zuerst habe ich die Lötstellen auf dem zerstörten Displayboard gründlich gereinigt, dann die Kabel meines neuen Treiberboards angelötet...

 

... dann das Ganze in den oberen Kasten eingebaut:

 

 

Finale

Ein besonderer Moment ist immer das Einschalten nach solchen Basteleien, aber: 

 
Erfolgreich !

Wie man sieht war ich äußerst erfolgreich - auch wenn ich erst noch einige Verdrahtungsfehler suchen musste.

Die Displays leuchten alle hell und flackerfrei - auch wenn es auf dem Bild nicht so aussieht !

 

 

 

Tipp: Lötstellen reinigen

 

Zuerst mit einer Entlöt-Lutsche alles überflüssige Lötzinn absaugen. Üblicherweise sieht das Board dann ziemlich übel aus, weil Flussmittel und Zinnreste das Board verkleben.

 

Der einfache Trick:

Mit Brennspiritus und einer alten Zahnbürste das Board bearbeiten, dann sieht es aus wie neu, und alle Kontakte können gut auf noch vorhandene Kurzschlüsse überprüft werden. Außerdem fließt neues Lötzinn dann viel besser!